KORSAREN DER KARIBIK

Genre: Sandbox-Spiel, Piraten, Taktik
Erscheinungsjahr: 2010
Verlag: Z-Man Games, Pegasus Spiele
Autor: Christian Marcussen, Kasper Aagaard
Grafik: Ben Nelson, Chris Quilliams
Spieleranzahl: 2 bis 4
Spieldauer: 180+ Minuten
Möglichkeit zur Erweiterung: ja

  • Ruhmreiche See (umfangreiche Erweiterung)

Besonders erwähnenswerte Spielkomponenten:

  • offene Spielewelt
  • atemberaubendes Piraten-Thema
  • die Gestaltung des Spielbrettes
  • die Gestaltung der Kapitänsbretter

Einleitung:
Das Goldene Zeitalter der Piraterie umfasst den Zeitraum der Jahre 1690 bis 1730. Kauffahrer, Freibeuter und Piraten suchten dabei vor allem in der Karibik ihr Glück. Dabei diente die vielfältige Inselwelt der karibischen See den berüchtigsten Piraten aller Zeiten als geeignete Operationsbasen.

Lasst mich also ein wenig über Korsaren der Karibik plaudern:
Korsaren der Karibik ist der Inbegriff eines Sandbox-Games. Den Spielern, die in die Rolle verwegener Kapitäne schlüpfen, liegt eine vielfältige Welt zu Füssen, in der sie im Rahmen des Regelwerkes tun und lassen können, was immer sie für richtig erachten. Wagemut, Kreativität und Ideenreichtum sind nur sehr wenige Grenzen gesetzt. Eine derart offene Welt regt die Phantasie in ungeahnter Weise an und schreit förmlich danach, Hausregeln zu erschaffen und dem ohnehin üppig enthaltenen Spielmaterial weitere und immer mehr Komponenten hinzuzufügen. Auf den hier präsentierten Fotos gibt es demnach viele Dinge zu sehen, die sich nicht im Grundspiel befinden. Schatzkisten aus Holz, Dublonen und Papageien und auf manchen Fotos enthaltene Spielelemente aus der Mega-Erweiterung „Ruhmreiche See“ haben mit dem Grundspiel nichts zu tun. Auch die (selbstgefertigten) Regelübersichts-Blätter sind aus reinem Spaß an der Freude entstanden. Viele Stunden habe ich damit zugebracht, die beeindruckende Welt der Karibik noch ein wenig beeindruckender zu gestalten!

 

Das Spiel selbst bietet derart viele Handlungsmöglichkeiten, dass ich auf deren Aufzählung sowie auf eine Erklärung des Rundenablaufes verzichte. Vielmehr habe ich auf der Festplatte meines Notebooks zu meiner großen Freude einen Eintrag ins Kapitäns-Logbuch vom 2. Juli 2011 wiederentdeckt, in das ich meine damalige Solo-Partie (Hausregel!) niedergeschrieben habe. Diese historischen Aufzeichnungen sollten einen Eindruck davon vermitteln, was in der Welt der Korsaren alles möglich ist und welche Geschichten sich darüber erzählen lassen.

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Am 2. Juli im Jahre des Herrn 1704 – Aufbruch in unbekannte Gewässer

Mein Name ist Yu Quan [Kapitänkarte „Yu Quan“]. Ich bin englischer Kaufmann chinesischer Abstammung und seit heute glücklicher Besitzer der Fleute „Mai-Li“ [Schiffkarte „Fleute“]. Die letzten Monate habe ich im Hafenviertel von Bridgetown zugebracht und beim Glücksspiel einige Dublonen gewonnen, die mir nun den Erwerb eines eigenen kleinen Handelsschiffes ermöglicht haben. Die Heuer für die Matrosen ist bezahlt und noch heute werde ich in See stechen.

     Von einem meiner Matrosen habe ich erfahren, dass einer seiner Verwandten, ein Zimmermannmeister mit Namen Diego Perez [Ruhmkarte „Zimmermannmeister“ (Spezialist)] in Santa Domingo darauf wartet, mir seine Dienste anzubieten. Ich werde dieser Insel wohl demnächst einen Besuch abstatten.

     Im Hafen von Bridgetown hat man mir heute angetragen, Waffen nach Trinidad zu schmuggeln [Auftragskarte „Waffenschmuggel“], jedoch möchte ich mein Seefahrerleben als ehrbarer Händler beginnen und habe mich daher entschlossen, vor dem Auslaufen reguläre Fracht an Bord zu nehmen. Sollten meine Dublonen reichen, gelingt es mir zudem vielleicht, in meiner Lieblingsspelunke eine Abschiedsrunde Rum auszugeben und dabei das eine oder andere interessante Gerücht aufzuschnappen.

     Ich nehme jeweils zwei Frachtgüter Holz und Zucker an Bord und bezahle dafür 8 Dublonen. Die beiden verbleibenden Dublonen verprasse ich in der Hafenspelunke. Leider gelingt es mir nicht, einem der Trunkenbolde ein Gerücht zu entlocken.

     Mit schwerer Fracht beladen lasse ich Anker lichten und steche mit Kurs auf St. John in See. Heute war ein bedeutsamer Tag für mich und die Welt! Ich beginne ein neues Leben als Seefahrer und zudem befinden sich Spanien und Holland seit heute im Krieg [Ereigniskarte „Krieg und Frieden“]. Wieder einmal!

 

9. Juli 1704 – Im Hafen von St. John

Mein Schiff läuft im Hafen von St. John ein. Dort erreicht mich die Botschaft, dass es meinem geliebten Heimatland gelungen ist, San Juan einzunehmen [Ereigniskarte „Angriff auf San Juan“]. Ich verkaufe den geladenen Zucker, der in St. John dieser Tage überaus begehrt scheint und für den ich stolze 12 Dublonen erhalte. Mein Schiff belade ich anschließend mit zwei Frachtgütern Tabak.

     Nachdem ich schon lange nicht mehr in dieser Gegend war, versuche ich in der Kneipe mein Glück beim Kartenspiel und tatsächlich gelingt es mir, einem ebenso redseligen wie angetrunkenen Matrosen ein Gerücht aus der Nase zu ziehen [Gerüchtekarte „Geschwätzige Tochter“]. Ich werde mich wohl sehr bald nach Basse-Terre begeben, um dieses Gerücht zu überprüfen.

     Nun hält mich nichts mehr auf dieser Insel und ich lasse Anker lichten.

 

23. Juli 1704 – Kurze Überfahrt

Vor dem Auslaufen aus St. John habe ich zudem erfahren, dass ein gewaltiges Regalschiff der spanischen Kriegsmarine an der Küste vor Caracas aufgetaucht ist [Ereigniskarte „Spanisches Marineschiff – Admiral Bals de Lezo Olavarrieta“]. Das soll mich jedoch nicht weiter stören. 

     Die vergangenen Wochen auf See sind überaus ruhig verlaufen und mein Schiff hat heute den Hafen von San Juan erreicht.

 

24. Juli 1704 – Kleine Untwetterfront

Eine Schlechtwetterfront hat heute Nacht San Juan erreicht und wird mich zu meinem großen Bedauern möglicherweise länger als geplant in diesem Hafen festhalten [Ereigniskarte „Steife Brise“]. Ich verkaufe meine Frachtgüter Tabak, die mir als begehrtes Handelsgut 12 Dublonen einbringen, lösche ein zusätzliches Frachtgut Holz und nehme drei Frachtgüter Nahrung an Bord. Trotz schlechter Wetterlage lasse ich die Anker mit dem Ziel Santo Domingo lichten, um mit den leicht verderblichen Waren nicht wertvolle Zeit in San Juan zu vertrödeln. Leider wird der Frachtraum der „Mai-Li“ im Sturm beschädigt und das Ladegut Holz geht verloren.

 

7. August 1704 – Retter in der Not in Santo Domingo

Wir erreichen Santo Domingo. Dort erzählt man stolz, dass ein spanisches Marineschiff [Ereigniskarte „Spanisches Marineschiff – Admiral Manuel de Velasco“] vor Cartagena kreuzt. Der Hafenmeister löscht voller Freude meine an Bord verbliebene Fracht, denn offenbar herrscht auf diesem Teil der Insel große Knappheit an Nahrung. Meine Freude ist um nichts geringer, denn ich verdiene an dieser Ladung 18 Dublonen [1.Siegpunkt und Ruhmkarte „Wiederholungswurf für Mannschaftskampf“]. Nach der Reparatur des Schadens am Frachtraum der „Mai-Li“ erwartet mich bereits der Zimmermann Diego Perez am Pier. Rasch kommen wir ins Geschäft und er heuert ohne weitere Umstände bei mir an. Nachdem ich höre, dass in Basse-Terre – dem nächsten Ziel meiner Reise – eine starke Nachfrage nach Tabak herrscht, nehme ich drei dieser Frachtgüter zu einem überaus fairen Preis an Bord und steche ohne weiteren Zeitverlust in See.

 

21. August 1704 – Der Beginn einer neuen Freundschaft

Wie mir im Hafen von Basse-Terre, den wir heute erreichen konnten, erzählt wird, haben wir Santo Domingo gerade noch rechtzeitig verlassen – ein schwerer Pestausbruch hat die Insel kurz nach unserer Weiterfahrt heimgesucht [Ereigniskarte „Pest“]. Als man meiner Ladung gewahr wird, werde ich von der Bevölkerung überaus freundlich empfangen und mit 18 Dublonen fürstlich entlohnt [2. Siegpunkt und Ruhmkarte „Seemannskunst-Wiederholungswurf]. Ich erinnere mich nun an die geschwätzige Tochter Edith Fleur d’Monique, von der mir in St. John erzählt wurde. Nachdem das überaus nette Fräulein ein sehr ausgeprägtes Faible für Seefahrer hat, ist es nicht schwer, die Dame im Hafenviertel aufzustöbern und sie ein wenig über die Angelegenheiten ihres Vaters auszuhorchen [3. Siegpunkt und Gerüchtekarte „Spanische Adelige“]. Nachdem in meinem Geldbeutel nun 49 Dublonen fröhlich klimpern, denke ich über den Erwerb eines neuen und größeren Schiffes nach. Durch meine jüngsten Abenteuer ermutigt, bespreche ich mit der Mannschaft meine Absicht, mich dem Gewerbe der Freibeuterei anzunähern und stelle es meinen Matrosen frei, mich zu verlassen. Zu meiner großen Verwunderung stehen alle meine braven Seeleute zu mir und so begießen wir den Beginn unserer neuen Abenteuer mit einem oder auch zwei Gläschen Rum.

     Am nächsten Morgen erwerbe ich eine prachtvolle Fregatte, die ich in Erinnerung an ein überaus angenehmes Erlebnis „Fleur d’Monique“ taufe [4. Siegpunkt und Ruhmkarte „Enterung verhindern“]. In einer der unzähligen Hafenspelunken gelingt es mir problemlos, zusätzliche Crew anzuheuern. Da es mir für ihre zukünftigen Zwecke angebracht erscheint, rüste ich die „Fleur“ mit Enterhaken, Kartätschen und Kettengeschossen aus. Der Werftmeister bietet mir noch den Einbau von Drehbassen aus – ein Vorschlag, den ich unmöglich ablehnen kann! Nachdem mir nun nur noch 2 Dublonen in meiner Börse verblieben sind und ich daher mehr oder weniger pleite bin, ist es höchste Zeit, auszulaufen und meine neue ruhmreiche Karriere zu beginnen.

     Ein letzter Blick zurück auf den Hafen von Basse-Terre, in dem ich so ungewöhnlich gute Geschäfte machen und Beziehungen knüpfen konnte – und dann geht es los Richtung Küstengewässer vor San Juan.

 

28. August 1704 – Die Fangnetze werden ausgeworfen

Vor San Juan entdecken wir einen französischen Kauffahrer – er soll unsere erste Beute sein! Der Handelsfahrer wehrt sich nach Kräften, doch ich setze meine Kettengeschosse und Enterhaken ein und Fracht sowie Dublonen sind mein! Wir erbeuten 13 Dublonen [5. Siegpunkt, 1. französisches Kopfgeld und Ruhmkarte „Begnadigung“] und je eine Frachtkarte Gewürze, Holz und Zucker. Die Ladung Tabak, die der Kauffahrer zudem geladen hat, überlassen wir großzügig ihm selbst. Masten und Schiffsrumpf meiner „Fleur“ sind zwar beschädigt, jedoch bewährt sich erstmals unser Zimmermann, der den Schiffsrumpf sofort reparieren kann. Wir laufen in den Hafen von San Juan, um die erbeutete Ladung zu löschen und die notwendigen Reparaturen an den Masten durchzuführen. Nach einem Besuch der Wert entschließe ich mich, die „Fleur“ wieder mit Kettengeschossen und Enterhaken auszurüsten. Zudem nehme ich einige Kanonen an Bord.

     Ehe wir in den Hafen einfuhren, schien es meinem Ausguck einen Augenblick lang so, als erblickte er in den Gewässern vor Tortuga eine Fregatte der französischen Kriegsmarine [Ereigniskarte „Französisches Marineschiff – Admiral Jean Bart“]. Ah, wie ich die Franzosen und ihre Borniertheit hasse – ausgenommen die kleine Edith, versteht sich!

 

4. September 1704 – Keinen Streit mit Spanien!

Bevor wir aus San Juan auslaufen, vernehmen wir noch die Kunde, dass an der Küste vor Curacao eine Piratenbande ihr Unwesen treibt [Ereigniskarte „Piratenschaluppe – Laurens de Graaf“]

     In den Gewässern von Santo Domingo geht uns der nächste Kauffahrer ins Netz. Eine spanische Karavelle! Diese lassen wir jedoch ungeschoren davonkommen; spanisches Kopfgeld wäre derzeit das letzte, was wir gebrauchen könnten, wollen wir doch schließlich den von Spaniern kontrollierten Hafen von Havanna anlaufen.

 

18. September 1704 – Dorn im Fleisch der Franzosen

Vor der Küste von Port Royal gelingt der nächste Fang – abermals ein französisches Handelsschiff! Wie ein Fisch zappelt es in unserem Netz und stellt sich als sehr leichte und lukrative Beute heraus. Es gibt zwar abermals leichte Schäden an Schiffsrumpf und Masten, jedoch kümmert sich der zuverlässige Zimmermann sofort wieder um den Rumpf. Wir erbeuten 14 Dublonen (6. Siegpunkt, 2. Französisches Kopfgeld und Ruhmkarte „Kanonenhauptmann“ (Spezialist/Bridgetown); Ruhmkarte „Begnadigung" wird abgelegt] und die Frachtkarten Kakao, Tabak und Holz.

     Ehe wir den Kauffahrer wieder seiner Wege ziehen lassen, erzählt er von einer Fregatte der englischen Kriegsmarine, die in den Gewässern vor Nassau kreuzt [Ereigniskarte „Englisches Marineschiff – Admiral Robert Maynard“]. Mit seinem Frachtgut Nahrung entlassen wir den Franzosen schließlich wieder in die Freiheit.

 

19. September 1704 – Blackbeard taucht auf!

Wir laufen den Hafen von Port Royal an, um die Schäden am Schiff auszubessern. Während der Mast repariert wird, löschen wir die Fracht. Ich lasse in der Werft sowohl Takelage als auch Segel erneuern und dadurch die Manövrierfähigkeit der „Fleur“ verbessern. Ohne weitere Unterbrechung laufen wir danach wieder aus dem Hafen aus.

     In den Gewässern von Port Royal taucht die „Queen Anne’s Revenge“ unter Captain Blackbeard auf [Ereigniskarte „Piratenfregatte – Schwarzbart“] – der seltenen Begegnung zweier Piratenkapitäne auf See wird mit Salutschüssen aus den Kanonenluken unserer beider Fregatten entsprechend freundlicher Tribut gezollt.

 

3. Oktober 1704 – Eine kleine Geiselnahme

Bei ruhiger See laufen wir in den Gewässern vor Havanna ein. Dort entdecke ich die Insel, auf der sich das Anwesen der spanischen Adeligen befindet, von dem mir auf Basse-Terre von Edith erzählt wurde. Dem kleinen Trupp meiner Mannschaft gelingt es, 15 Goldmünzen zu rauben, die Familie gefangen zu nehmen und an Bord zu bringen [7. Siegpunkt und Ruhmkarte „Bestechung zur See“; Ruhmkarte „Kanonenhauptmann (Spezialist)“ wird abgelegt]. Ausgerüstet mit diesem Faustpfand laufen wir in Havanna ein.

     Ich scheine mir bei der französischen Krone bereits einen gewissen Namen gemacht zu haben, denn das Kopfgeld, das auf meine Ergreifung ausgesetzt ist, wurde nochmals erhöht [Ereigniskarte „Härte gegen Gesetzlose“]. Zu unserem Leidwesen sichten wir eine Fregatte der französischen Kriegsmarine, die plötzlich und unvermittelt vor dem Hafen von Havanna aufkreuzt. Sieht fast so aus, als wäre es auf der Jagd nach uns!

 

5. Oktober 1704 – Seegefecht!

Aufgrund der auf See lauernden Gefahr rüste ich mein Schiff mit einem mächtigen Vierpfünder. Nachdem wir uns ordentlich Mut zugesprochen (eher: angetrunken) haben, stechen wir in See, um im Kampf mit dem französischen Kriegsschiff entweder zu siegen oder auf dem Grund der See unser nasses Grab zu finden. Wir geben uns keine Mühe, mit unserer „Fleur“ zu entkommen und so werden wir rasch von den aufgeblasenen französischen Seeleuten entdeckt! 

     Wir lassen unsere weitreichenden Kanonen sprechen und verursachen Treffer am Frachtraum, an den Kanonen und bei der Mannschaft des Gegners, ehe dieser überhaupt reagieren kann. Dann feuern die Kanonen unserer beider Schiffe gleichzeitig. Während die „Fleur“ eine volle Breitseite abgeben kann – und einen Treffer am gegnerischen Mast sowie zwei weitere Treffer am Frachtraum anbringt – erleiden wir selbst nur einen Treffer im Bereich des Frachtraumes. Nachdem die Kanonen nachgeladen wurden, feuern wieder beide Schiffe. Auch diesmal gibt es von der „Fleur“ die volle Breitseite! Das gegnerische Kanonendeck wird vollständig zerstört und zudem muss der Franzose noch einen Schaden an den Masten hinnehmen. Die „Fleur“ verliert durch einen Kanonentreffer leider einen Teil seiner Besatzung. Die See wird unseren Kameraden gnädig aufnehmen!

     Das gegnerische Schiff verfügt nun über keine einsatzfähigen Kanonen mehr und versucht uns zu entern. Stattdessen setzt es von uns jedoch eine weitere Breitseite. Zwei Treffer auf das bereits zerstörte Kanonendeck beschädigen den gegnerischen Schiffsrumpf massiv. Ein weiterer Treffer fügt den Masten schweren Schaden zu.

     Abermals erfolgt ein Enterversuch der Franzosen, der auch dieses Mal fehlschlägt. Nochmals feuern unsere Kanonen und zerstören den Schiffsrumpf der französischen Fregatte. Zwischen den abziehenden Rauchschwaden unseres Kanonenfeuers verfolgen wir das traurige Schauspiel, das uns vom sinkenden gegnerischen Schiff dargeboten wird [8. Siegpunkt und Ruhmkarte „Begnadigung“ wird abgelegt]. Während wir unsere beschädigte „Fleur“ Richtung Port Royal steuern, begegnet uns in den Gewässern von Havanna abermals Kapitän Blackbeard [Ereigniskarte „Gnade“]. Er scheint denselben Kurs wie unser Schiff genommen zu haben. Sollte er selbst auf der Jagd nach dem französischen Regalschiff gewesen sein – Pech gehabt!

     Meinem teuren Zimmermann Diego gelingt es bereits auf See, den Frachtraum vollständig zu reparieren. Ich spendiere ihm freudig eine zusätzliche Ration Rum! 

 

19. Oktober 1704 – Neue Mannschaft

Die „Fleur“ liegt im Hafen von Old Providence vor Anker. Ich besorge in der Werft einige zusätzliche Hängematten für die Mannschaft und begebe mich dann in die hiesige Taverne, um frische Mannschaft anzuheuern. Nachdem mir mittlerweile ein gewisser Ruf vorauszueilen scheint, gelingt mir dies völlig problemlos.

     Wieder scheine ich Glück gehabt zu haben, denn vor Havanna kreuzt mittlerweile ein Regalschiff der Spanier [Ereigniskarte „Spanisches Marineschiff – Admiral Jose Chacon“]. In Old Providence liegen jedoch ein angenehmer Abend und eine ruhige Nacht vor uns.

 

24. Oktober 1704 – Frankreich zittert!

Nach einigen Tagen, die wir durchaus recht kostspielig mit Wein, Weib und Gesang zugebracht und uns erholt haben, laufen wir aus und stoßen sehr bald auf einen französischen Kauffahrer. Schon der Klang meines Namens scheint ihn in Angst und Schrecken zu versetzen. Dennoch setzt sich der Händler tapfer zur Wehr und wir müssen zwei Treffer am Frachtraum, einen an den Masten und Verlusten bei der Mannschaft hinnehmen. Nachdem wir unsere Enterhaken ausgeworfen haben, erbeuten wir jedoch 13 Dublonen [9. Siegpunkt, 4. französisches Kopfgeld und Ruhmkarte „Logbuch des Kapitäns“; wird abgelegt]. Wir lassen den tapferen Kauffahrer mit seiner gesamten Fracht unbehelligt weitersegeln und ich beschließe, mit meiner Mannschaft nach Bridgetown zu segeln, damit wir uns dort mit unseren angehäuften Reichtümern zur Ruhe setzen können. Der Schiffszimmermann kümmert sich in der Zwischenzeit um die Beschädigung des Frachtraumes.

     Den Logbüchern des französischen Kauffahrers – die sich nun in meinem Besitz befinden – entnehme ich, dass ein prächtiges Regalschiff der Holländer vor St. Marteen kreuzt [Ereigniskarte „Niederländisches Marineschiff – Admiral Hendrick Grave“], aber diese Neuigkeit interessiert mich nicht einmal am Rande.

 

14. November 1704 - Heimfahrt

Wir kreuzen in den Gewässern der Karibischen See und ich freue mich darauf, nach mehr als vier Monaten bald wieder in Bridgetown einzulaufen. In dieser Zeit habe ich mir als Pirat einen großen Namen gemacht, habe drei französische Kauffahrerschiffe aufgebracht und eine Fregatte der französischen Kriegsmarine versenkt! Meine treue Besatzung und ihr Kapitän werden im englischen Hafen zweifellos ehrenhaft empfangen werden. Die „Fleur“ wird Bridgetown wohl in rund zwei Wochen erreichen – sollte es nicht noch unvorhergesehene Vorkommnisse geben [Ereigniskarte „Gnade“].

 

21. November 1704 -  Südseesturm!

Ein gewaltiger Sturm hat uns zu einer Kursänderung nach Süden gezwungen, wo wir mit letzter Kraft den Hafen von Curacao erreichen [Ereigniskarte „Gewaltiger Sturm“]. Dort sind wir zur völligen Untätigkeit verdammt, während draußen der Orkan über dem Meer wütet.

 

24. November 1704 – Ausläufer des Sturmtiefs

Masten und Frachtraum wurden repariert und ich heuere in der Zwischenzeit in der Hafenkneipe neue Mannschaft an, was mich diesmal jedoch 2 Dublonen kostet. 

     Obwohl der Sturm noch nicht völlig abgeklungen ist [Ereigniskarte „Starker Wellengang“] entschließe ich mich dazu, unser Schiff auf Vordermann zu bringen und danach Kurs Richtung Bridgetown zu setzen. Wir verlassen Curacao bei rauer See und dringen in die spanischen Gewässer von Caracas ein. Bald sind wir wieder daheim! 

     Der hohe Wellengang beschädigt zwar unseren Frachtraum, jedoch ist mein Zimmermann abermals helfend zur Stelle.

     

14. Dezember 1704 – Ankunft daheim

Wir haben den Hafen von Bridgetown erreicht! Ich zahle meiner Mannschaft ihre Heuer und eine anständige Bonuszahlung aus und freue mich, dass wir rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest wieder heimatlichen Boden unter den Füßen haben. Voller Freude schließe ich meine Edith in die Arme, die die Überfahrt von Basse-Terre nach Bridgetown gewagt hat, um meine Ankunft zu erwarten! Ich entlasse meine spanischen Gefangenen in die Freiheit und bezahle ihnen sogar die Passage nach Havanna, wo sie ihr weiteres Leben auf ihrer kleinen Insel in Frieden verbringen sollen.

      Wie ich höre, ist ein weiteres Regalschiff der französischen Kriegsmarine vor der Küste von Petit Goave auf der Suche nach mir [Ereigniskarte „Französisches Marineschiff – Admiral Abraham Guitton“], aber das ist eine andere Geschichte. Im englischen Hafenstädtchen Bridgetown hat die französische Marine weder Mittel noch Rechte, um mich erfolgreich aufzustöbern.

 

15. Dezember 1704 - Abspann

Mein gesamter Besitz von 53 Dublonen [10.-14. Siegpunkt] wandert in meine Schatztruhe und ich setze mich als gemachter Mann zur Ruhe, meine liebe Edith Fleur d’Monique an meiner Seite. Und sollte mich eines Tages der Hafer stechen – meine Fregatte liegt festgemacht am Pier und wartet nur darauf, mit mir am Steuer in den Sonnenuntergang zu segeln…

 

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DIE ECKDATEN DER SOLOPARTIE
2. Juli 2011 - 19 Spielrunden

  • 14 Siegpunkte (9 SP auf der Siegpunktleiste und 53 Dublonen in der Schatztruhe)
  • Zustand der Fregatte Fleur d'Monique: Schiffsrumpf 3, Frachtraum 3, Masten 3, Mannschaft 4, Kanonen 3
  • Modifikationen an Bord: Hängematten, Takelage & Segel, Vierpfünder, Drehbassen, weitreichende Kanonen
  • Spezialwaffen an Bord: Kettengeschosse, Kartätschen, Enterhaken
  • Spezialisten an Bord: Diego Perez, Zimmermannsmeister
  • Ruhmkarten: Seemannskunst-Wiederholungswurf, Bestechung zur See, Enterung


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Wie kaum ein anderes Brettspiel erlaubt es Korsaren der Karibik den Spieleteilnehmern, der Realität zu entfliehen und eine alternative Lebensgeschichte nicht nur erleben sondern diese zur gleichen Zeit auch mit den am Tisch Sitzenden teilen zu können. Erfolge und Tiefschläge werden hautnah erlebt und kommentiert - mal respektvoll, mal mit hämischem Unterton. Und sobald das eigene Schiff mal eine schwere Beschädigung davonträgt, sei vor jenen Mitspielern gewarnt, die die Laubahn eines Piraten eingeschlagen haben! Denn Verwundete sind leichte Beute!

Fazit: Korsaren der Karibik bietet eines der entspannendsten und dankbarsten Spieleerlebnisse, die der Brettspielmarkt anzubieten in der Lage ist. Eine größere Spieltiefe, um in die Welt von Piraten und Freibeutern einzutauchen, kann auch das beste Rollenspiel nicht bieten. Wer das Thema mag, wird das Spiel ins Herz schließen!

jumpwalker | 09.2020