ECLIPSE: SECOND DAWN FOR THE GALAXY

Genre: 4X-Globalstrategiespiel
Erscheinungsjahr: 2020
Verlag: Lautapelit.fi
Autor: Touko Tahkokallio
Grafik: Noah Adelman, Jere Kasanen, Sampo Sikiö
Spieleranzahl: 2-6
Spieldauer: 150+ Minuten
Möglichkeit zur Erweiterung:  

  • Galactic Events Mini-Erweiterung
  • Minor Species Mini-Erweiterung
  • Rift Cannon Mini-Erweiterung
  • Supernova Mini-Erweiterung

Besonders erwähnenswerte Spielkomponenten:

  • die Qualität der Spielmaterialien
  • die Effizienz der mitgelieferten Inserts
  • die Auflösung des Ressourcen-Managements
  • das selbsterklärende Design der Spielmaterialien
  • die Schiffsbaupläne  

Einleitung:
Wo immer es eine zweite Morgendämmerung gibt, muss es davor auch schon eine erste gegeben haben. So auch in diesem Fall. Eclipse erblickte im Jahr 2011 das Licht der Welt. Second Dawn for the Galaxy  greift behutsam – dafür aber an den richtigen Stellen – in das bestehende Regelwerk des Erstlings ein, liefert jedoch eine Fülle an Spielhilfen und Materialien, die in ihrem Design und ihrer Zweckmäßigkeit einer ganz eigenen und in dieser Form noch nie dagewesenen genialen Logik folgen.   

     Neben den oben erwähnten Erweiterungen gibt es zusätzlich auch eine optisch überaus attraktive Spielmatte, zusätzliche Würfelsets, Erdenschiffe in allen Fraktionsfarben sowie Standees für die Großraumschiffe zu erwerben.  

 

Lasst mich also ein wenig über Eclipse: Second Dawn for the Galaxy plaudern:
Der Spielekenner und die Vielspielerin wissen mit dem Begriff 4X durchaus etwas anzufangen. Diese Begrifflichkeit führt meist dazu, dass sich Pupillen erwartungsvoll weiten und sich wie von Geisterhand geführt Geldbörsen öffnen. Sich im Falle von Eclipse: Second Dawn for the Galaxy sogar sehr weit öffnen müssen! 

 

4X vereint die Ausdrücke explore (erkunden), expand (erweitern), exploit (ausbeuten), exterminate (zerstören). Als eines der ersten und auch bekanntesten 4X-Brettspiele eroberte Civilization im Jahr 1980 die Wohnzimmer einer staunenden Community spielbegeisterter Youngsters (die in diesen frühen Jahren noch gar nicht ahnen konnten, dass sie mal zu einer Community zusammenwachsen würden). 4X ist vor allem im Bereich der Science Fiction-Brettspiele zu einem Gütesiegel geworden. Twilight Imperium (die bereits vierte Edition des Klassikers ist seit 2017 erhältlich) wird in diesem Zusammenhang immer als DAS Vorzeigebeispiel genannt – obwohl es gar kein 4X-Spiel ist: Dem Twilight Imperium fehlt die Möglichkeit, es zu erkunden, da es sich bereits zu Beginn vollständig entdeckt vor den um den Tisch versammelten Spielern ausbreitet. Space Empires: 4X (2011), Xia: Legends of a Drift System (2014) und Star Trek: Ascendancy (2016) setzen den Kern eines 4X-Spieles thematisch besser um. Aber darum geht es jetzt gar nicht. 

Als einzigem derzeit auf dem Markt erhältlichen 4X-Schwergewicht gelingt es Eclipse, die Vorzüge aus Ameristyle- und Eurogames-Brettspielen nicht nur zu vereinen sondern diese in nahezu perfekter Weise ineinander zu verzahnen. So ist das von Eclipse abgelieferte Spiele-Erlebnis angesiedelt zwischen Worker Placement, Konfrontation, Würfelglück und knallharter Wirtschaftssimulation. Und eine Hintergrundstory ist (zwar zaghaft, aber doch) ebenfalls vorhanden. Planbarkeit und Glückslastigkeit mögen sich die Waage halten, das Spielerlebnis selbst ist dabei jedenfalls durchaus befriedigend. Eclipse ist beileibe kein Hirnverzwirbler, spielt sich aber dennoch nicht nur frei von der Leber weg. Für ein Brettspiel seiner Art wartet Eclipse mit einem von allen anderen 4X-Spielen uneinholbaren Vorteil auf: Mit einer knackigen Spieldauer von rund drei Stunden, definiert durch eine vorgegebene Anzahl von acht Spielrunden. Klarerweise beeinflusst die Disposition der Teilnehmer diese Spieldauer, aber grundsätzlich ist Eclipse in einem für 4X-Spiele ungewöhnlich schmalen Zeitrahmen bewältigbar. 


Rezensionen und Spielberichte zu Eclipse gibt es an anderer Stelle in Hülle und Fülle und so werde ich mich mit Rundenabläufen, Erklärungen zu den vielfältigen Aktionsmöglichkeiten, dem Kampfsystem oder dem Aufbau diplomatischer Beziehungen nicht näher beschäftigen. Das haben andere Kollegen bereits erledigt. 


Worauf ich jedoch eingehen muss, ist das absolut innovative und einzigartige Design der Baupläne der drei Schiffstypen (Abfangjäger, Kreuzer, Schlachtschiffe) und der Raumstationen, die den Spielern zur Verfügung stehen. Nachdem jeder Spieler mit zivilisationsbedingt unterschiedlichen Startbedingungen ins Spiel geht, unterscheiden sich bereits zu Spielbeginn auch die Baupläne der Schiffe geringfügig voneinander. So werden die Abfangjäger von Spielerin A eine etwas andere Startkonfiguration aufweisen als jene von Spieler B. Abhängig von den Technologien, die die Spieler während der Partie entwickeln und erforschen, können diese Schiffe mit weit über zwanzig unterschiedlichen Upgrades ausgestattet werden. Diese Möglichkeit zur individuellen Nachrüstung macht jede Flotte zu einer unverwechselbaren, die sich in dieser Konfiguration in keinem weiteren Spiel in derselben Art und Weise wiederfinden wird. 

Und nachdem wir schon beim Design angelangt sind! Die unfassbar effizient gestalteten Inserts und Spielhilfen zu beschreiben, würde den Rahmen einer lockeren Plauderei komplett sprengen. Dazu nur so viel: Ich bin es gewohnt, meine Lieblings-Brettspiele mit zahlreichen Zukäufen von Spielmaterial aufzuwerten, zum Beispiel Pappmarker durch aus Resin geformte Miniaturgegenstände und Plastikmünzen durch täuschend echt wirkende Metallmünzen zu ersetzen. Diese Spielwiese nutze ich ohne Ende. Das von Eclipse angelieferte Spielmaterial ist von solcher Qualität, dass ich keine einzige Komponente durch qualitativ oder optisch besser wirkende Materialien ersetzen könnte. Der Schachtelinhalt ist in Aufmachung und Formdesign perfekt gelungen. Dazu gibt es dieser Plauderei beigefügt auch einige Fotos – Bilder sagen mehr als tausend Worte! Achtung: Einige Fotos zeigen Material, das in der Kickstarter-Box jedoch nicht in der handelsüblichen Auflage erhältlich ist.

Fazit: Beeindruckendes Design, vollständiges 4X-Erlebnis und überschaubare Spieldauer. Das ist Ecplise. Wer in der Lage ist, sich auch hin und wieder ein wenig dem Glück zu unterwerfen, muss zugreifen. In seiner Gesamtheit ist Eclipse über den viel zitierten Genre-Kaiser Twilight Imperium zu stellen.

jumpwalker | 10.2020