1066 - DER KAMPF UM ENGLAND

Genre: Taktik, Krieg, Kartenspiel
Erscheinungsjahr: 2019
Verlag: Hall or Nothing, Schwerkraft Verlag
Autor: Tristan Hall
Grafik: Ania Kryczkowska, The Creation Studio
Spieleranzahl: 1 bis 2
Spieldauer: 60+ Minuten
Möglichkeit zur Erweiterung: nein

Besonders erwähnenswerte Spielkomponenten:

  • die Illustrationen auf den Ziel- und Deckkarten
  • die präzise Struktur der Karteneigenschaften
  • die Spielmechanik

Einleitung:
1066 - Der Kampf um England erzählt die Geschichte von Herzog Wilhelm, König Harold und der berühmten Schlacht von Hastings, die den Beginn einer neuen Epoche für die britische Insel einleiten sollte.

Beschreibung:
Der Untertitel der deutschen Ausgabe Der Kampf um England lautet im englischen Original Tears To Many Mothers. Dieses Zitat bezieht sich auf einen Text des englischen Benediktinermönches Elmer von Malmesbury, der im Jahre 1066 den Halleyschen Kometen sichtete und über den vermeintlichen Unglücksbringer schrieb:

"Du bist gekommen, nicht wahr? Du bist gekommen, du Quelle der Tränen vieler Mütter. Lang ist es her, dass ich dich zuletzt sah, aber wie ich dich jetzt sehe bis du noch viel schrecklicher, denn ich sehe in dir den drohenden Untergang meines Landes."

Schweifsterne verkündeten nach mittelalterlicher Auffassung den Tod eines Königs oder die Vernichtung eines ganzen Königreiches. Was Harold Godwinson anlangte, der seit drei Monaten über England herrschte, sollte beides zutreffen.

Nach mehreren schlachtentechnischen Vorgeplänkeln formierten sich die Heere der Angelsachsen und der französischen Normannen am 14. Oktober 1066 zur alles entscheidenden Schlacht von Hastings. Das Schicksal Englands sollte sich von diesem Tage an wandeln.

1066 - Der Kampf um England stellt die dramatischen Ereignisse des Jahres 1066 nach. Das Spiel - das in einer viel zu großen Spielschachtel daherkommt und den Käufer dadurch böse darüber hinwegtäuscht, dass sich darin nur sehr wenig Spielmaterial verbirgt - wird ausschließlich über den Einsatz von Karten gesteuert. Ein Spieler erhält die Ziel- und Deckkarten der angelsächsischen Armee, der andere jene des normannischen Heeres. Jeder Spieler verfügt über sieben von Zielkarten (in einer strikt vorgegebenen Reihenfolge), wobei die erste Zielkarte sich auf den 24. April 1066 bezieht (jenes Datum, an dem der Halleysche Komet gesichtet wurde) und die letzte Zielkarte den 14. Oktober 1066 als Datum nennt damit direkt auf die Schlacht von Hastings Bezug nimmt. Die fünf weiteren Zielkarten jedes Spielers bezeichnen wichtige Zwischenereignisse wie etwa den Kriegsrat von Rouen, die Invasion von Sussex oder die Schlacht von Stamford Bridge. Diese Zielkarten müssen der Reihenfolge nach abgearbeitet werden, ehe sich beide Seiten auf dem Schlachtfeld in Hastings zur endgültigen Entschiedung gegenüberstehen.

Das Spiel selbst läuft rundenbasiert über Vorbereitungs-, Aufmarsch-, Keil- und Zielphasen ab. Wie es bei mittelalterlichen Schlachtaufstellungen üblich war, findet der Truppenaufmarsch in Schlachtenkeilen statt, die vom Herrscher persönlich angeführt werden. Jeder Heerführer lässt seine Armee in drei dieser Schlachtenkeile antreten. Das Spiel endet, sobald ein Anführer es schafft, zwei solcher Keile der gegenerischen Truppen zu erobern, der gegnerische Herrscher getötet wird oder der Gegner keine Karten mehr vom Nachziehstapel ziehen kann.

Jeder Spieler verfügt dabei über sein eigenes individuelles Kartendeck. Jede einzelne dieser Karten nimmt dabei Bezug auf historische Persönlichkeiten oder Ereignisse. Abhängig davon, wie der Spieler seine ausgelegten Karten einsetzt, geben ihm diese Ressourcen, Aktionen oder Stärkepunkte im Kampf. Karten werden von den zu Spielbeginn separat gemischten Stapeln nachgezogen. 1066 unterscheidet sich damit fundamental von den derzeit so beliebten Kartendeckbau-Spielen.

Die Abläufe gehen rasch von der Hand, taktische und strategische Überlegungen stehen dabei stets im Vordergrund, befeuert auch durch den Umstand, dass die Spielerreihenfolge nicht statisch ist. Ein Spieler hat es durchaus in der Hand, sich den Startspielermarker für eine ihm entscheidend scheinende Spielrunde zu sichern.

1066 - Der Kampf um England ist ein beeindruckendes Kartenspiel-Ereignis. Das Regelheft ist schnell erarbeitet und sehr übersichtlich gestaltet. Für die Solo-Variante liegt eine separate vierseitige Regelerklärung bei.

In Bezug auf die in einer schier unfassbaren Detailgenauigkeit illustrierten Ziel- und Deckkarten fällt mir nichts ein, außer diese einfach nur als "staunenswert" und "schön" zu bezeichnen. Die Qualität der Illustrationen ist über alle Maßen außergewöhnlich und mir in dieser Form zuvor überhaupt noch nie begegnet! Bereits aus diesem einen Grund heraus wäre es mir nicht möglich, mich jemals wieder von diesem Spiel zu trennen.

Fazit: Eines der inhaltlich interessantesten und thematisch intensivsten Kartenspiele, die auf dem Markt zu bekommen sind. Auch als Solo-Spiel mehr als nur ein Zwischendurch-Erlebnis, wenngleich auch in diesem Fall der harte Mitbewerb fehlt.

jumpwalker | 09.2020